Archiv für Kategorie 'Gott und die Welt'

Beweise für Tendenzen

Michael Rupp, saarländischer Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter (BDK), wird von Saarland Online mit den Worten zitiert

Wir können, wenn wir personenbezogene Informationen aller Intensivtäter im Kindesalter nutzen dürfen, den Jugendämtern, Familiengerichten aber auch den Eltern der Täter unwiderlegbare Beweise für vorhandene kriminelle Tendenzen liefern.

Dabei geht es um die Frage, ob Kinder unter 12 Jahren in einer Verbrecherkarteidatei gespeichert werden sollen.

Eine Tendenz beweisen? Scheint mir schwierig. Aber natürlich meint der Mann nicht Tendenzen im eigentlichen Sinne. Denn was Kriminalbeamte allerhöchstens beweisen können, ist ja die Schuld an be- und damit vergangenen Taten. Und die suggerieren höchstens ähnliches zukünftiges Verhalten.

Andererseits werden 99% aller Menschen im Saarland davon auch nie betroffen sein.

Einzelfälle!

Ein Textbaustein, der offensichtlich von der Union an Mitarbeiter und Abgeordnete ausgegeben wird um die Online-Durchsuchung zu rechtfertigen, ist

99% aller Menschen in Deutschland werden davon nie betroffen sein.

(nachlesbar z.B. bei abgeordnetenwatch.de)

Nun frage ich mich, warum man damit so eine Maßnahme zu rechtfertigen versucht. Schließlich gilt das für einen von Terroristen gesprengten Zug in Niedersachsen ja auch.

Hotspots

Die Europäische Weltraumagentur ESA hat Satellitenbilder von den Feuern in Griechenland veröffentlicht. Sehr beeindruckend finde ich dieses Foto, auch wenn es sich technisch gesehen wohl nicht um ein Foto handelt, sondern eher um eine Fotomontage. Mehrere Satelliten können Temperaturen an der Erdoberfläche messen und alles was heißer ist als 38,85°C wird als Feuer klassifiziert.

Feuer in Griechenland
Bild: ESA

Rechter Umgang

Und wieder wird über das NPD-Verbot diskutiert – eine Gespensterdebatte, solange die Hindernisse zu einem Verbot nicht aus dem Weg geräumt sind. Das Haupthinderniss, erinnern wir uns, scheiterte nicht an der ungenügend verfassungsfeindlichen Haltung der NPD, sondern an Verbindungsleuten diverser Verfassungsschutzämter in der NPD.

Chance vertan, schreibt das viel zu wenig beachtete NPD-blog, was ich hiermit ausdrücklich zum Lesen empfehle.

Martyrien

“Die letzten Stunden des Verstorbenen waren ein Martyrium”, sagt Steinmeier über den in Afghanistan von Taliban entführten Neumünsteraner (Quelle). Und man werde “alles Menschenmögliche und Verantwortbare tun, um das Leben der zweiten deutschen Geisel zu retten” (Quelle)

“Ich würde mich heute nicht anders entscheiden”, sagt Steinmeier über einen in Pakistan von den USA entführten Bremer, der aufgrund dieser Entscheidung mehr als vier Jahre lang Folter und Mißhandlungen ausgesetzt war (Quelle).

Und so jemanden will die SPD zum Kanzlerkandidaten machen.

Glaubwürdigkeit

Ich weiß ja nicht, ob es eine gute Idee ist, Bushido als Headliner bei einem Open Air gegen Gewalt an der Schule zu buchen. Könnte Probleme mit der Glaubwürdigkeit geben. Wäre ja so als würde Alice Schwarzer für Bild Werbung machen. Ups.

Ein orientierungsloser Monarch

Ich bin ja erklärtermaßen kein myspacer. Deswegen frage ich mich ja, ob “Orientierung” die sexuelle Orientierung meint. Und ich frage mich, was es zu bedeuten hat, dass die Orientierung des schwedischen Königs — der, für einen König, auch total seltsame Musik hört. Nein, eigentlich hört er überhaupt seltsame Musik — “nicht sicher” ist.

Ausriss aus dem MySpace-Profil des Königs von Schweden

Helmut Kohl muss Nobelpreis werden.

Helmut Kohl muss Nobelpreis werden.

Tornados über Heiligendamm

Dr. Franz Josef Jung
Dr. Franz Josef Jung

Peinlich peinlich, das mit den zwei, ach nein, doch zwölf Flugzeugen.

Dabei war doch alles so eindeutig. Der Staatssekretär Christian Schmidt (CDU) stand bei Jung im Büro. Die beiden redeten über Operation Sonnenblume, wie das Vorhaben auf dem Gang des Bundesverteidigungsministeriums in Erwartung der vielen Hippies genannt wurde. Inoffiziell. Natürlich.

Alles war geklärt. Ein paar Sanitäter hier, ein paar Aufklärungspanzer dort. Mehrere Boote vor der Küste. Als Schmidt das Büro schon verlassen hatte, fiel Jung noch etwas ein. Er sprang auf, riss die Tür auf, und rief Schmidt hinterher: “Und sag den 6 Offizieren, sie sollen 2 Flugzeuge einsetzen!”

Was für ein dummes Missverständnis.

Natürlich ist alles was hier steht frei erfunden. Nur nicht, dass Franz Josef Jung Verteidigungsminister, Christian Schmidt sein Staatssekretär, dass es eine Tür im Verteidigungsministerium gibt und ein Büro. Und dass es peinlich ist, das ist auch nicht erfunden.

Bild: Wikipedia

Zurück aus Rostock

Dieses Posting habe ich gestern schonmal geschrieben, dann aber wieder zurückgezogen, weil ich damit unzufrieden war. Jetzt, nachdem ich etwas Zeit hatte nachzudenken, ein neuer Versuch.

Was in Rostock passiert ist, ist entsetzlich gewesen. Aus meiner Sicht — ich war gute 100 Meter hinter dem allerersten Gewaltausbruch — gab es harte Versäumnisse der Demoleitung, d.h. keine sofortige und deutliche Distanzierung von “den” Autonomen. Das ist mittlerweile weitgehend nachgeholt worden, was ich gut finde. Gut finde ich ebenfalls die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der sich die Organisatoren zeigen. In dieser Stimmung zuzugeben, dass man Fehler gemacht hat, ist für mich ein Zeichen von einer gewissen Größe.

Ich kann mich des Gefühles aber nicht 100%ig erwehren, dass die Autonomen recht haben. Nur Gewalt macht Quote. Sicher, in der meisten Sendezeit und dem meisten Zeitungsplatz wird über die Gewalt geredet. Aber daran angehängt finden sich auch oft genug inhaltliche Aussagen. Und wenn ich es mir so überlege, dann habe ich massive Zweifel, ob die Demonstration in Rostock so eine Medienpräsenz hätte, wenn es die Ausschreitungen nicht gegeben hätte.

Demo

Was mich mittlerweile noch mehr entsetzt als die Gewalt selber, sind die sogenannten etablierten Medien und wie sie darüber berichten (das betrifft vor allem online-Medien und Fernsehen). Da wird mit an die pure Sensationslust appelierenden Bilderstrecken geworben, die absolut zynisch kommentiert sind; Kommentare sprechen von der “Staatsmacht am Boden”; Überschriften versprechen “Wie der Samstag war” und beschreiben fast ausschließlich Gewalt-Szenen; jeder Hinterbänkler der Rechten wird zitiert, ob er den GSG9-Einsatz fordert oder den von Gummigeschossen. Gerade das mit dem GSG9-Einsatz dürfte, wenn der Vorschlag nicht schnell in der Versenkung verschwindet, die Atmosphäre weiter anheizen.

Mit Autonomen z.B. redet niemand. Dass Argument, man möchte Gewalttätern keine Plattform bieten, zählt nicht, wenn man direkt daneben großformatige Fotos von steinewerfenden Vermummten platziert.

Auch der Einfluss der Medien auf die Stimmung vor Beginn der Demonstration ist wahrscheinlich kein guter. Newsticker im Stile von “Hier passiert nix, noch gab es keine Ausschreitungen”, eine sehr hysterische Sicherheitsdebatte, etc.

Nun gibt es seit einiger Zeit eine alternative Nachrichtenquelle namens Indymedia. Da kann mehr oder weniger jeder selbst Nachrichten schreiben die er erlebt hat. Doch leider ist Indymedia keine echte Alternative zu den “Systemmedien”. Allzu offensiv wird bei Indymedia über die bösen Bullen geredet, klammheimliche Freude über verletzte Polizisten tropft häufig aus den “Nachrichten”.

Was bleibt also von meinem kleinen Ausflug an die Ostsee? Enttäuschung, Frustration. Viele Menschen haben viel Zeit und Energie — Herzblut — in die Proteste investiert, und es macht mich sehr betroffen, zu sehen, wie das alles in Trümmern liegt.