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Prag

Veröffentlicht von Nils am 3. März 2009 um 23:58 in Reise, Reise

So. Nach 3 vollen Tagen Prag wird es Zeit für einen längeren Bericht.

Die Basics: Prag ist eine Stadt mit rund 1,5 Millionen Einwohnern und liegt in Tschechien. Pragerinnen und Prager legen Wert darauf, dass es in Mitteleuropa liegt. Prag ist tatsächlich voller alter Gebäude und wurde kaum zerstört über die Jahrhunderte, so dass noch sehr viel erhalten ist. Das bringt natürlich eine gewisse Schönheit mit sich.

Die nicht mehr ganz so grundlegenden Basics: Mein Hotel ist in Prag 5, was mir nichts gesagt hat, bevor ich herkam (ja, es ist auch mein erster Ausflug nach Prag). Prag 5 ist sowas wie das Kreuzberg Prags, wurde mir dann gesagt. D.h., wenn das Kreuzberg Berlins noch Kreuzberg ist, da bin ich mir nicht so sicher. Konkret äußerte sich das in dem Geschäft, dem ich als erstes begegnet bin: iStyle. Apple Premium Reseller. Handelt mit Apple-Produkten und Crumpler-Taschen. Schnell stellte ich fest, dass Prag auch sowas wie das Venedig Tschechiens ist. Jedes bißchen Sehenswürdigkeit ist von Touristen belagert, wobei das im Sommer wohl noch schlimmer wird. Eine japanische Touristengruppe habe ich gefragt, ob sie eigentlich schon in Heidelberg waren. Ja, waren sie. Gestern.

Die Erkenntnisse: Das globale Dorf nervt mich. Direkt neben dem Apple-Laden gibt es einen Schlecker. In der Shopping-Mall unweit meines Hotels finden sich neben C&A, H&M und Levi Strauss & Co. auch T-Mobile cz, O2 und Nokia wieder. Der Supermarkt im Keller — albert — gehört zur Holding ahold, bei deren schwedischen Supermärkten — ICA — ich in meiner Erasmuszeit eingekauft habe. Daran, dass es überall McDonald’s und KFC gibt, hat man sich ja irgendwie schon gewöhnt. Das Stadtbild, das tägliche Leben ist, zumindest im relativen Zentrum von Prag, irgendwie nicht so sehr anders als in jeder anderen mitteleuropäischen Stadt mit 1.500.000 Einwohnern (wenn man von der Sprache absieht, die aus Konsonanten, vielen lustigen Häkchen auf, über und unter anderen Buchstaben und ein paar ganz wenigen Vokalen besteht).

Die tieferen Erkenntnisse: Prag ist insbesondere auch das Prag Tschechiens. Und auch wenn man — nennen wir sie in Ermangelung eines besseren Wortes mal so — kulturelle Unterschiede etwas suchen muss: Man findet sie dann doch irgendwie. Abends durch Prag zu laufen ist ein sehr schönes Erlebnis. Restaurantrechnungen sind anders gebaut. Es gibt anderes Geld, noch dazu mit einem für Eurozonenbewohner recht positiven Wechselkurs. Manche Kassierer versprühen einen geradezu sowjetischen Charme. Ich habe etwas über das Streben eines Volkes nach Souveränität und einem eigenen Nationalstaat verstanden, überraschenderweise in einem Kunstmuseum. Rauchverbot in Kneipen und Cafés ist eine gute Sache. Tschechen haben das mit dem Schlange stehen — im Gegensatz zu den meisten Deutschen — raus, die bilden einfach eine intelligente, optimale Schlange (das ist, statistisch gesehen, die, die sich erst ganz am Ende auf verschiedene Kassen aufteilt).
Ziemlich lange habe ich mit mir gerungen, was denn wohl die richtige Musik ist, um sie nebenher zu hören. Also, während ich so durch Prag schlendere. Mittlerweile habe ich gefunden, dass Element of Crime ziemlich gut passt. Das sagt wahrscheinlich ziemlich viel über Prag.

Das Konkrete. Bisher habe ich die folgenden Dinge gesehen: Wenzelsplatz, Karlsbrücke, Josefsstadt, alter jüdischer Friedhof, Pinkas-Synagoge, Andy Warhol Motion Pictures (Ausstellung), Mucha-Museum, Altstadtplatz, Altstadt, Astronomische Uhr, Teile der Kleinseite, Nationaltheater (von außen), Metro (von innen [Robert, erinnerst Du Dich noch an Kontroll? Ich habe jemanden getroffen, der den Film auch gesehen hat!]) und diverse Cafés, Kneipen und Restaurants.

Fotos davon gibt es immer noch hier, allerdings immer noch unsortiert. D.h. ich lade am Ende des Tages immer einfach alle Fotos hoch die ich gemacht habe.

Habe ich was vergessen?

Oh ja. Das Bier. Tschechisches Bier kommt im wesentlichen in vier Varianten: Staropramen, Pilsner Urquell,
Irgendwas mit A und Krušøvice. Letzteres läuft hier gerade, aber die anderen sind auch sehr überzeugend.

Es gibt sicher tausend Dinge, die ich vergessen, verkürzt dargestellt, verfälscht oder erfunden habe, aber ich drücke jetzt trotzdem einfach mal auf “Publish”.

(Graue Texte sind Phantasieeinschübe.)

  1. Hannes am 4. März 2009

    Was kostet eigentlich ein simlockfreies iPhone bei O2 in Prag?

  2. Nils am 4. März 2009

    Keine Ahnung. Steht das nicht auf irgendeiner Webseite?

  3. Robert am 4. März 2009

    Ja, ich erinner mich noch an Kontroll! Auch wenn das in der Budapester Metro spielte…

    Gibt’s in Prag kein Budvar (Budweiser)?

  4. Cilli am 15. März 2009

    Aaaalso: erst ein Wort zum “Kreuzberg Prags” – Andel ist eher ein bisschen das Schicki-micki-trendviertel mit Sushibrunch für über 40 Euro (http://en.wikipedia.org/wiki/AndÄ›l_(neighborhood))

    Zu Kontrol: Gestern hab ich einen Erasmusstudenten aus Budapest getroffen (wo Kontrol spielt), der sogar ein paar der Schauspieler kennt! Cool, ne? ;)

  5. Michi am 19. März 2009

    Cilli ist voll die Angeberin geworden. ;)

  6. Michi am 19. März 2009

    Menno, dein Blog unterstützt gar keine Comments in HTML :(

  7. Cilli am 20. März 2009

    geworden?

  8. Michi am 22. März 2009

    Eben, genau das wollte ich durchstreichen mit und … Aber Nils’ Blog mag kein HTML-Code in den Comments. :(

  9. Michi am 22. März 2009

    Arghhh… <s> und </s> – vielleicht so?

  10. Nils am 24. März 2009

    Das ist ja auch kein strict HTML … Transitional = Evil.

  11. Duy am 24. März 2009

    Das mit den Japanern ist eine krasse Sache. Ich habe an der spanisch-französischen Grenze einen japanischen Ballettänzer getroffen der in 20 Tagen (!) von den Pyrenäen bis nach Santiago laufen/wandern wollte — das macht rund 45 Kilometer am Tag. Entsprechend werden seine Tanzbeinchen bei der Ankunft ausgesehen haben — was ich mir nur vorstellen kann, denn ich habe ihn nach dieser Begegnung im Nebel nie wieder getroffen…

    http://www.jil.go.jp/english/jwl.htm
    Im Kapitel 5, Tabelle 45 auf Seite 58 sieht man wieviel Urlaub so ein durchschnittlicher Japaner eigentlich im Jahr nimmt — danach wird einem sehr klar warum die so schnell von hier nach da flitzen und alles fotografieren (=> zum “Gucken” ist keine Zeit, das machen sie dann zu Hause am Computer).

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