16. September 2008 at 08:53
filed under Neues aus dem Elfenbeinturm

Das ist das erste Paper, was mir in meiner lustigen Wissenschaftlerkarriere unterkommt, das explizit Creative Commons-lizensiert ist. Ich bin mir nicht sicher, was ich davon halten soll.
Ich weiß nicht, ob Creative Commons für wissenschaftliche Publikationen sonderlich geeignet ist. Was soll z.B. NoDerivation in dem Zusammenhang heißen? Darf ich nicht darauf aufbauen? Das würde ja dem Grundgedanken von wissenschaftlichen Publikationen irgendwie widersprechen.
Aber andererseits ist es wahrscheinlich besser, als das alleinige Verwertungsrecht irgendeinem Verlag in den Rachen zu werfen.
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Michaela
on 16. September 2008 at 09:07
Wirklich das erste? Ist für die COLING seit diesem Jahr Pflicht / Standard (was auch immer). Hat mich auch gewundert, aber ich nehme an, sie haben sich das länger als fünf Minuten durch den Kopf gehen lassen :)…
Sebastian
on 16. September 2008 at 19:07
Ja, die Coling ist halt so ne antiautoritaere Konferenz ;-)))
Aber ernsthaft…die Coling hat die CC gewaehlt, weil bei ihr nicht wie bei der ACL eine
Organisation dahintersteht, die die ihr uebertragenen Rechte an den Papieren ueber einen
laengeren Zeitraum wahrnehmen kann. (Bei den frueheren Colings ist offenbar zum Teil ziemlich unklar, wer genau welche Rechte hat.)
Da schien die CC License Attribution-Noncommercial-Share Alike 3.0 Unported (http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/) eine gute Alternative zu sein: weil es da
ja ausser dem Autor keine weiteren Rechteinhaber gibt. Weitergeben und veraendern darf
man, und dass der Originalautor genannt werden muss, ist im wissenschaftlichen Bereich ja sowieso klar.
Nur was “nichtkommerzielle Nutzung” und “gleiche Rechte fuer abgeleitete Werke” angeht,
bin ich etwas unsicher..Angenommen, ich schreibe einen Artikel fuer ein for-profit-Journal wie LRE oder JNLE und zitiere darin ein COLING-Papier. Ist das dann ok oder nicht? Kommt vermutlich auf die Definition von “commercial purpose” und von “building on something” an…
Nils
on 17. September 2008 at 15:12
Ja, die Frage ist, ob wissenschaftlich zitieren “build upon” entspricht. Wenn das so ist, ist es ein echtes Problem, weil man ja Artikel für profit-Journals nicht so einfach unter die gleiche Lizenz stellen.
Und was ist, wenn man für Google arbeitet und so ein Papier zitiert?
Scheint mir etwas unausgegoren in den Details. Aber wahrscheinlich sollte man froh sein, dass sich überhaupt jemand Gedanken macht und neues in der Richtung ausprobiert. Die Lage ist ja i.A. eher unbefriedigend.
Nils
on 18. September 2008 at 09:09
Nachtrag:
Zitieren ist so oder so (profit oder non-profit) rechtlich gedeckt (zumindest in Deutschland gibt es ein Zitatrecht, das nicht so einfach weggenommen werden kann).
Mit abgeleiteten Werken sind wahrscheinlich eher keine Werke gemeint, die das einfach nur zitieren. Sondern Verfilmungen oder die Musical-Umsetzung meiner Diplomarbeit …
Sebastian
on 19. September 2008 at 23:35
Nur um mal ein bisschen den advocatus diaboli zu spielen:
Mir scheint, dass das Zitatrecht vor allem das Recht zur (ich erfinde mal einen Begriff) “woertlichen Wiedergabe” eines anderen Textes sicherstellt. Aber das ist ja in der Wissenschaft nur eine der zwei Motivationen zum Zitieren: naemlich dann, wenn ich z.B. einen literature review mache.
Wenn ich aber jemanden zitiere, weil ich sein Modell verbessere oder seine Theorie verwende, dann geht es nur nicht darum, einen Text zu zitieren, sondern die Herkunft der Gedanken kenntlich zu machen. Und da koennte jemand (zumindest mit boesem Willen) schon von einem abgeleiteten Werk sprechen.