Informatica Feminale
Man entdeckt erstaunlich viele Dinge dadurch, dass Studentinnen oder Studenten ankommen und Scheine davon anerkannt haben wollen.
Informatica Feminale: Das Sommerstudium für Frauen in der Informatik.
Dass die Studentin, die gerade hier war, sich zwar an den einen, nicht aber den anderen Sponsor erinnerte, überrascht mich.
Es gibt auch einen Workshop “Women in Machine Learning”. Ich würde ja gegen so was demonstrieren – wenn es nicht so weit weg wäre, in Kalifornien nämlich.
Kriegt man so einen Schein denn anerkannt?
Warum würdest Du dagegen demonstrieren? Ich finde solche Events haben eine wichtige Funktion zur Vernetzung.
Den Schein bekommt man anerkannt*, allerdings nicht als Fachkurs. In der Prüfungsordnung in Heidelberg gibt es 20 Leistungspunkte für den Bereich der “Übergreifenden Kompetenzen”. Das soll Studentinnen und Studenten animieren (also verpflichten (: ), Veranstaltungen aus anderen Fächern zu besuchen, aus Eigeninitiative Dinge zu tun, an ihren “soft-skills” zu arbeiten oder eben Konferenzen und Workshops zu besuchen. Keine schlechte Regelung, wie ich finde.
* Diese Aussage meinerseits begründet keinen Rechtsanspruch
Ich würde dagegen demonstrieren, weil ich es schrecklich finde, das Frauen es nötig haben, ihre eigene Konferenz zu machen. Können sie nicht auf die anderen Konferenzen fahren? Und was bringt es ihrem Wissensaustausch, Männer auszuschließen? Steigerung der Konzentrationsfähigkeit vielleicht? Das halte ich allerdings für unwahrscheinlich bei der Mister-World-Quote unter Machine-Learning-Fachleuten…
Das Argument, dass Frauen sich lieber mit Frauen unterhalten und zu schüchtern sind, um in Anwesenheit von Männern zu reden (so oder so ähnlich habe ich schon Leute vergleichbare Veranstaltungen rechtfertigen gehört) finde ich absolut blödsinnig. Ich z.B. unterhalte mich mich mit manchen Frauen auch nicht gerne. Und mit manchen Männern auch nicht. Und bin viel weniger schüchtern, wenn keiner der beiden Sorten anwesend ist. Aber für wissenschaftliche Zwecke ist das nicht nur wenig relevant sondern auch kontraproduktiv; da kann ja gleich jede politische Gesinnung ihre eigene Konferenz ausrufen, und dann noch eine ML-Konferenz für Vegetarier, und vielleicht noch eine FKK-ML-Konferenz (da wiederum könnte ich Geschlechter-Trennung wenigstens nachvollziehen, wenn auch nicht gutheißen :P )
Also zunächstmal ist Differenzierung von Nöten: Eine wissenschaftliche Konferenz ist keine Sommerschule (und so würde ich die Informatica Feminale verstehen).
Aber selbst bei wiss. Konf. geht es ja nicht nur um Wissensaustausch — das Wissen steht ja eh in den Papieren drin. Es geht zu einem Großteil darum, sich zu vernetzen. Und in einem Fach wie Informatik oder Computerlinguistik, wo der Anteil von Frauen verschwindend gering ist (was sicher eine ganze Reihe von Gründen hat), glaube ich, dass es Frauen nützen kann, Frauen-Netzwerke zu bilden.
Oder, anders formuliert: Wenn ich mal einen Job bekomme, weil ich jemanden bei einer Konferenz kennengelernt habe, frage ich doch nicht, ob das eine ML-Konferenz für Vegetarier-Konferenz war oder eine andere.
Klingt nach einem Sparse-Data-Problem. :-D