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Zurück aus Rostock

Veröffentlicht von Nils am 4. Juni 2007 um 10:12 in Heiligendamm

Dieses Posting habe ich gestern schonmal geschrieben, dann aber wieder zurückgezogen, weil ich damit unzufrieden war. Jetzt, nachdem ich etwas Zeit hatte nachzudenken, ein neuer Versuch.

Was in Rostock passiert ist, ist entsetzlich gewesen. Aus meiner Sicht — ich war gute 100 Meter hinter dem allerersten Gewaltausbruch — gab es harte Versäumnisse der Demoleitung, d.h. keine sofortige und deutliche Distanzierung von “den” Autonomen. Das ist mittlerweile weitgehend nachgeholt worden, was ich gut finde. Gut finde ich ebenfalls die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der sich die Organisatoren zeigen. In dieser Stimmung zuzugeben, dass man Fehler gemacht hat, ist für mich ein Zeichen von einer gewissen Größe.

Ich kann mich des Gefühles aber nicht 100%ig erwehren, dass die Autonomen recht haben. Nur Gewalt macht Quote. Sicher, in der meisten Sendezeit und dem meisten Zeitungsplatz wird über die Gewalt geredet. Aber daran angehängt finden sich auch oft genug inhaltliche Aussagen. Und wenn ich es mir so überlege, dann habe ich massive Zweifel, ob die Demonstration in Rostock so eine Medienpräsenz hätte, wenn es die Ausschreitungen nicht gegeben hätte.

Demo

Was mich mittlerweile noch mehr entsetzt als die Gewalt selber, sind die sogenannten etablierten Medien und wie sie darüber berichten (das betrifft vor allem online-Medien und Fernsehen). Da wird mit an die pure Sensationslust appelierenden Bilderstrecken geworben, die absolut zynisch kommentiert sind; Kommentare sprechen von der “Staatsmacht am Boden”; Überschriften versprechen “Wie der Samstag war” und beschreiben fast ausschließlich Gewalt-Szenen; jeder Hinterbänkler der Rechten wird zitiert, ob er den GSG9-Einsatz fordert oder den von Gummigeschossen. Gerade das mit dem GSG9-Einsatz dürfte, wenn der Vorschlag nicht schnell in der Versenkung verschwindet, die Atmosphäre weiter anheizen.

Mit Autonomen z.B. redet niemand. Dass Argument, man möchte Gewalttätern keine Plattform bieten, zählt nicht, wenn man direkt daneben großformatige Fotos von steinewerfenden Vermummten platziert.

Auch der Einfluss der Medien auf die Stimmung vor Beginn der Demonstration ist wahrscheinlich kein guter. Newsticker im Stile von “Hier passiert nix, noch gab es keine Ausschreitungen”, eine sehr hysterische Sicherheitsdebatte, etc.

Nun gibt es seit einiger Zeit eine alternative Nachrichtenquelle namens Indymedia. Da kann mehr oder weniger jeder selbst Nachrichten schreiben die er erlebt hat. Doch leider ist Indymedia keine echte Alternative zu den “Systemmedien”. Allzu offensiv wird bei Indymedia über die bösen Bullen geredet, klammheimliche Freude über verletzte Polizisten tropft häufig aus den “Nachrichten”.

Was bleibt also von meinem kleinen Ausflug an die Ostsee? Enttäuschung, Frustration. Viele Menschen haben viel Zeit und Energie — Herzblut — in die Proteste investiert, und es macht mich sehr betroffen, zu sehen, wie das alles in Trümmern liegt.

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