Archiv für Juni 2007

Tauchstation

Ich bin derzeit in mehrfacher Perspektive ziemlich auf Tauchstation gegangen: Ich bin blog-abstinent (aktiv wie passiv) und Kontakt zu anderen Menschen findet gerade vor allem in der Mensa statt. Das hat natürlich Gründe, die in meiner “fast” fertigen Diplomarbeit zu suchen sind.

Es eröffnet allerdings auch interessante Perspektiven. Andreas hat mir neulich netterweise die aktuelle Blogosphäre zusammengefasst, und ich muss sagen, dass manche Dinge da relativ merkwürdig klingen. Naja. Egal.

Außerdem wollte ich mal durchreichen, dass es eine Initiative für ein Open-Access-Journal für Computerlinguistik gibt. DA gibt es ein längeres Posting von Hal Daume. Eine Diskussion auf der ACL[Association of Computational Linguistics]-Konferenz hat vor ein paar Tagen stattgefunden und ist wohl positiv gelaufen. Man darf also hoffen.

Und jetzt verziehe ich mich wieder auf den Grund des Meeres.

Live von der TaCoS

Jetzt ist die TaCoS fast vorbei, aber ich blogge mal noch schnell live. Jetzt, wo das Wetter wieder gut ist.

Mein Vortrag mit dem Titel “Where to get the world knowledge – Linking FrameNet and SUMO” (Slides) war gestern (Samstag) und ich bin eigentlich ganz zufrieden. Das Feedback war weitgehend positiv, was mich natürlich sehr freut. Eingeschlafen ist auch niemand, wenn ich das richtig sehe.

Tübingen ist durchaus schön, aber ziemlich … nun ja, schwäbisch. Die saarländische Lebensart kommt mir irgendwie unkomplizierter vor. Naja. Egal.

TaCoS in Tübingen

Kommendes Wochenende werde ich wieder etwas unterwegs sein: In Tübingen findet die 17. TaCoS statt, die Tagung der Computerlinguistik-Studierenden. Voraussichtlich am Samstag vormittag werde ich über meine Diplomarbeit reden.

Die Slides gibt’s dann hinterher auch.

Sanctuary For All

TV ist tot.

Die taz hatte gestern einen Artikel, wie Internet und DVD-Boxen nicht nur die Film- sondern in besonderer Weise auch die Fernsehindustrie verändern. Dazu passend: Sanctuary.

Sanctuary ist eine Science-Fiction-Serie, die ausschließlich für das Netz produziert wird und auch nur im Netz zu sehen ist. Trotzdem wird sie professionell produziert, hat eine echte Handlung und mit Amanda Tapping (a.k.a. Samantha Carter aus Stargate) eine durchaus namhafte Schauspielerin. Eine Episode kostet 1,99 $ und kann online geschaut oder runtergeladen werden. Das Download-Video gibt es in Quicktime oder WMV und ist – tada! – DRM-frei, d.h. nicht mit irgendeinem Kopierschutz versehen.

Was ich in den ersten beiden Episoden gesehen habe, gefällt mir auch inhaltlich durchaus gut: Es gibt einen echten Spannungsbogen, die Story ist packend und die Charaktere glaubwürdig (also, Science-Fiction-glaubwürdig halt …). Amanda Tapping spielt die Ärztin Dr. Helen Magnus, die eine Einrichtung unterhält, in der Wesen eine Zuflucht geboten wird, die sonst als Monster bezeichnet und gejagt oder deren Existenz verleugnet wird. Zu Beginn der Serie ist sie auf der Suche nach einem Jungen, der in Tschernobyl verstrahlt wurde und jetzt außergewöhnliche Dinge kann. Die einzelnen Episoden sind etwas kurz (ca. 17 Minuten die ersten beiden), deswegen kann ich viel mehr gar nicht sagen.

Mir gefällt das Konzept jedenfalls sehr und ich hoffe sehr, dass die Serie erfolgreich ist.

Episoden Eins und Zwei gibt es übrigens in niedriger Auflösung auch bei YouTube für Umme:

Episode 1:

Episode 2:

Nachgeschoben: Über die Webseite soll es wohl auch interaktive Elemente geben, die direkt die Serienhandlung beeinflussen. Viel mehr ist aber wohl noch nicht bekannt.

Zurück aus Rostock

Dieses Posting habe ich gestern schonmal geschrieben, dann aber wieder zurückgezogen, weil ich damit unzufrieden war. Jetzt, nachdem ich etwas Zeit hatte nachzudenken, ein neuer Versuch.

Was in Rostock passiert ist, ist entsetzlich gewesen. Aus meiner Sicht — ich war gute 100 Meter hinter dem allerersten Gewaltausbruch — gab es harte Versäumnisse der Demoleitung, d.h. keine sofortige und deutliche Distanzierung von “den” Autonomen. Das ist mittlerweile weitgehend nachgeholt worden, was ich gut finde. Gut finde ich ebenfalls die Offenheit und Ehrlichkeit, mit der sich die Organisatoren zeigen. In dieser Stimmung zuzugeben, dass man Fehler gemacht hat, ist für mich ein Zeichen von einer gewissen Größe.

Ich kann mich des Gefühles aber nicht 100%ig erwehren, dass die Autonomen recht haben. Nur Gewalt macht Quote. Sicher, in der meisten Sendezeit und dem meisten Zeitungsplatz wird über die Gewalt geredet. Aber daran angehängt finden sich auch oft genug inhaltliche Aussagen. Und wenn ich es mir so überlege, dann habe ich massive Zweifel, ob die Demonstration in Rostock so eine Medienpräsenz hätte, wenn es die Ausschreitungen nicht gegeben hätte.

Demo

Was mich mittlerweile noch mehr entsetzt als die Gewalt selber, sind die sogenannten etablierten Medien und wie sie darüber berichten (das betrifft vor allem online-Medien und Fernsehen). Da wird mit an die pure Sensationslust appelierenden Bilderstrecken geworben, die absolut zynisch kommentiert sind; Kommentare sprechen von der “Staatsmacht am Boden”; Überschriften versprechen “Wie der Samstag war” und beschreiben fast ausschließlich Gewalt-Szenen; jeder Hinterbänkler der Rechten wird zitiert, ob er den GSG9-Einsatz fordert oder den von Gummigeschossen. Gerade das mit dem GSG9-Einsatz dürfte, wenn der Vorschlag nicht schnell in der Versenkung verschwindet, die Atmosphäre weiter anheizen.

Mit Autonomen z.B. redet niemand. Dass Argument, man möchte Gewalttätern keine Plattform bieten, zählt nicht, wenn man direkt daneben großformatige Fotos von steinewerfenden Vermummten platziert.

Auch der Einfluss der Medien auf die Stimmung vor Beginn der Demonstration ist wahrscheinlich kein guter. Newsticker im Stile von “Hier passiert nix, noch gab es keine Ausschreitungen”, eine sehr hysterische Sicherheitsdebatte, etc.

Nun gibt es seit einiger Zeit eine alternative Nachrichtenquelle namens Indymedia. Da kann mehr oder weniger jeder selbst Nachrichten schreiben die er erlebt hat. Doch leider ist Indymedia keine echte Alternative zu den “Systemmedien”. Allzu offensiv wird bei Indymedia über die bösen Bullen geredet, klammheimliche Freude über verletzte Polizisten tropft häufig aus den “Nachrichten”.

Was bleibt also von meinem kleinen Ausflug an die Ostsee? Enttäuschung, Frustration. Viele Menschen haben viel Zeit und Energie — Herzblut — in die Proteste investiert, und es macht mich sehr betroffen, zu sehen, wie das alles in Trümmern liegt.

Ab gehts

So, ich bin dann mal weg.

Zum weiterlesen empfehle ich einfach mal nilsreiter.jaiku.com und Spree8. Wahrscheinlich werde ich am Ende doch mehr bei Spree8 herumtrollenposten, weil eine deutsche E-Plus-Nummer doch irgendwie billiger ist als eine schwedische Sonstwas-Nummer.

Wir haben den Umsturz auf der Straße geprobt, in den Arbeitervierteln und aus dem Inneren des Systems heraus. Nichts hat funktioniert. Jede Antwort war die falsche. Es ist nicht die Zeit, Länder zu besetzen, es ist die Zeit, das Herz zu besetzen. Die romantische Liebe ist der neue bewaffnete Aufstand. Wir kämpfen mit den Waffen der Gefühle, und der Aufstand findet unterhalb der Gürtellinie statt.

Yeah.

Nur so ein Gedanke

Nur so ein Gedanke: Wenn die Polizei, wie hier angedeutet, personell nicht in der Lage ist, auch noch eine (angemeldete) NPD-Demonstration in Schwerin zu über-/bewachen, dann wird sie personell wohl auch nicht in der Lage sein, eine unangemeldete oder verbotene Demonstration aufzulösen oder zu verhindern. Vielleicht hätte man für den G8-Gipfel ein Bundesland nehmen sollen, in dem es einfach mehr Polizisten gibt …